800 Meter tief
Tief im Boden liegt das marode Atom-Mülllager Asse II, dem ersten und einzigen „Forschungslager“ für Atommüll. Über zehn Jahre lang wurden dort ab 1967 rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen in ehemaligen Abbaukammern einer alten Schachtanlage abgelagert.
Ist es dort sicher? Was wird mit der von Wassereinbruch bedrohten Anlage in Zukunft passieren?
Um das herauszufinden, wie die Anwohner mit dieser Situation umgehen, reiste die deutsche Fotografin in das ländliche Gebiet. Die Fragen rund um die Asse haben sich wie ein Schleier über den Ort gelegt. Eine Bedrohung die man nicht sehen kann, kann man diese verdrängen? Sollte man besser gehen und fortziehen?
Oder bleiben, da man fest mit dem Ort und seiner Geschichte verwurzelt ist? In ihren Porträts zeigt Hansch einige der Bewohner.
In zweieinhalb Jahren war sie immer wieder dort und hat genau hingesehen und gespürt, dass sich im Alltag der Menschen nicht alles um die Asse dreht und doch ist das Wissen um sie immer präsent.
Die Fotografin hat persönliche, intime Momente des Alltag im Dorfes, in den Tagesabläufen der Menschen gefunden. Hansch hat genau zugehört, erfuhr in langen Interviews von Geschichten, die jetzt mit Brautkleid, Medaillen, Superman-Kostüm oder dem Baron von Münchhausen ihre Sichtbarkeit erfahren haben.
„Ich bin immer neugierig auf die Facetten und Details des Lebens und der Menschheit. Und ich stelle mir oft Fragen wie: Was sind die Entscheidungen und Umstände, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind?“, berichtet die Fotografin. „Mir war es wichtig, dass jede Szene aus dem Leben der Person erzählt, von ihrem Hobby, ihren Ängsten, Hoffnung und Liebe zeigt.“
Mit ihrer Arbeit bewegt sie sich zwischen Dokumentar- und narrativer Fotografie. Jedes Bild wirkt bewusst gesetzt, wie eine Szene in einer noch zu entschlüsselnden Dramaturgie. Das Unsichtbare, auch die Unsicherheit bekommen so einen Platz in den Bildern. Das nicht Darstellbare wird spürbar. Und eine Lösung für die Zukunft der Asse ist noch nicht gefunden – der Schwebezustand wird sich für
die Menschen im Umland fortsetzen.